Eine Mama, 2 Kinder, 3 Wochen, 4 Länder

Oft werde ich gefragt, wie ich es schaffe, allein mit unseren zwei kleinen Kindern (2+4) quer durch Europa zu reisen. Und ich sage Euch, für mich ist es einfacher, als den Alltag allein mit ihnen in unserer 60m² Wohnung zu managen.

Gregor und Gabriel

Um Euch an unserem Abenteuer teilhaben zu lassen und Euch Mut zu machen bzw. zu zeigen, dass eine Reise nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln und einem großen Rucksack durch halb Europa mit zwei kleinen Jungs möglich ist, entschloss ich mich, diesen Artikel zu schreiben.

Wir waren ausschließlich mit dem Zug und auch mal mit dem Bus unterwegs. Meine Jungs Gabriel (fast 5) und Gregor (zweieinhalb Jahre alt) lieben das Aufregende. Im Durchschnitt sind wir alle 3 Tage woanders hin gefahren, hatten eine andere Unterkunft, trafen neue Leute und waren in einer anderen Stadt oder Umgebung. Immer wenn ich sagte, morgen gehts wieder weiter, haben sie gejubelt und freuten sich auf neue Abenteuer. Es hat nie lange gedauert, bis sie sich mit dem neuen Platz angefreundet haben.

Jetzt fragt ihr euch, wo wir denn herum gereist sind und wo wir übernachtet haben? Da ich aus der Slowakei stamme, aber in Deutschland lebe, meine Eltern aber in Österreich seit 30 Jahren ihren Wohnsitz haben, sind wir erstmal die ganze Verwandtschaft und langjährige Freunde abgefahren.

Es war kaum was geplant, meistens alles spontan. Ich habe immer ein paar Tage vorher per Mail die Leute angeschrieben, dass ich in ihrer Nähe sein werde und gefragt, ob ich sie mit meinen zwei Jungs besuchen kann.

Hier wurde mir wieder klar, ich bin kein Planer und werde auch nie einer sein. Meine spontanen Aktionen sind immer die besten und es kommt was viel Besseres raus, als ich mir auch nur je erträumt hätte! Das Spontane Leben bietet mir viel mehr als, wenn ich alles vorher peinlich genau geplant hätte.

So fing alles an: wir hatten gerade zu viert einen wunderschönen Familienurlaub auf der Mecklenburgischen Seenplatte mit einem Hausboot erlebt – mehr darüber erzähle ich in einem anderen Artikel. Klar war, dass mein Mann anschließend arbeiten musste. Unklar war, was ich in dieser Zeit machen würde, da noch Ferien waren und ich mit den Kindern alleine zu Hause eine schwere Zeit gehabt hätte.

Ich hatte eine Verabredung mit einer Freundin in Tschechien, allerdings erst vier Tage nach der Abreise meines Mannes, also musste ich irgendwie die Zeit bis dahin überbrücken.

Und nach dem Motto, es gibt keine Zufälle, so war dies auch keiner! Es hat alles so sein sollen. Am Campingplatz in Mecklenburg, als es einen ganzen Nachmittag geregnet hat, haben wir gemeinsam mit einer anderen Familie an einem überdachten Tisch gesessen und unsere Nudeln gekocht. Ein Vater mit seinen 3 Kindern hatte genau den gleichen Wunsch wie wir. Beim Nudeln kochen nicht nass zu werden.

Unsere Jungs teilen ihre Nudeln mit anderen 2 Jungs in der Bahn, die genau das gleiche Alter haben. Es wurde gleich Freundschaft geschlossen.

Nach nur kurzem Kennenlernen ergab sich, dass ich mit meinen 2 Jungs bei ihm am Bauernhof in der Uckermark bleiben darf und dafür in einer Biogärtnerei und am Hof helfen werde. Ich war sofort begeistert und wußte: das ist genau das, was uns gut tut.

Mein Herz ging auf, als ich Gabriel auf diesem Scheunendach entdeckte: ja, so muss Kindheit aussehen! Nicht mit Mama tag ein tag aus auf dem Spielplatz rumlungern, sondern mit anderen Kindern das Leben selber probieren! Hier sah ich wieder, dass die drei Kinder vom Bauernhof keine Angst hatten und dass die Eltern auch nicht dauernd ihnen alles verbieten, sondern sie ihre eigenen Erfahrungen machen ließen!

Und siehe da, ich konnte es kaum glauben, sogar Gregor mit 2,5 Jahren fand seinen Weg aufs Dach!

Ja, genau so denke ich! Die Kinder müssen ihre Grenzen selber testen und nicht dass immer die Eltern besser wissen, was ihre Kinder sich zutrauen können oder nicht! Doch oft stoße ich in unserem Heimatort oder auch woanders auf andere besorgte Elternteile. Hier konnte ich aufatmen und mein Wunsch ging hier in Erfüllung, genauso habe ich mir die Kindheit meiner Jungs gewünscht!

Hier löse ich mein „Versprechen“ ein, in der Gärtnerei zu helfen, um mir mein Abendessen zu verdienen. Ich jäte das Weißkohlfeld und entferne ca. 2000 Nacktschnecken (ich übertreibe nicht!). Es macht mehr Spaß als ich dachte! Ich will gar nicht mehr heim, denn die Gartenarbeit hat mich fasziniert. So fährt Carola mit meinen und ihren Kindern schon heim um zu kochen und ich darf noch weiter jäten. Juppie!!! Was für eine Freude!

Daheim am Bauernhof mistete ich noch die Hasenställe aus! Ich wußte gar nicht wie schön die Arbeit am Bauernhof sein kann, denn wir hatten in meiner Kindheit keinen Bezugspunkt zu Tieren und zum Bauernhof. Und nun nach sovielen Jahren, erst wenn meine Kinder auf der Welt sind, komme ich in Berührung mit dem richtigen Landleben.

Auch die Kinder kommen in Berührung mit den Tieren. Denn bei uns zu Hause gibt es keine. Für sie ist es etwas ganz Neues und sie genießen es total! Und ich fühle das Glück mit ihnen!

Wer hätte das gedacht, im Bauernhofsgarten hinter der Scheune finde ich Aconitum! Ein wichtiges homöopathisches Mittel! In Planzenform ist es giftig, aber in der Homöopathie findet es großen Anklang als Heilmittel bei z.B. hohem Fieber, Lungenentzündung, nach Schock, Schreck, Schleudertraumen uvm.!

Andreas, der Hausherr fragte mich, ob ich gerne Hühnersuppe am nächsten Tag hätte. Ja, gerne, war meine Antwort. Aber dass wir das Huhn selber schlachten und ich sogar zum Federn rüpfen herangezogen werde, damit habe ich nicht gerechnet!

Am nächsten Morgen geht es wieder in die Gärtnerei. Der 9 jährige Johannes zieht Gregor im Anhänger. Und beide finden es als ein Abenteuer!

Und Gabriel darf bei Carola vorne auf dem Fahrrad mitsitzen.

Alle Kinder helfen begeistert mit, die Raupen aus dem Kohl zu entfernen. Denn hier wird tatsächlich biologisch angebaut! Es wird nicht gespritzt, nein, die Raupen und Schnecken werden einfach händisch entfernt!

Jeden Tag aufs Neue war ich verwundert, was den Kindern eingefallen ist. Diesmal ist Gregor in den Meerschweinchenkäfig reingeklettert und hat versucht das Meerschweinchen zu fangen!

Während Gregor den Käfig unsicher macht, schäle ich ungefähr 450 Stück Knoblauch Zehen, damit Andreas neuen Knoblauch für nächstes Jahr einpflanzen kann. Es ist wirklich ein abwechslungsreicher Alltag hier.  Hier bei der sitzenden Knoblaucharbeit ruhe ich mich vom Weißkohljäten aus.

Und so sieht das einfache Häuschen auf dem Bauernhof aus. Für die Kinder ein Paradies.

Es gibt noch eine Besonderheit, die diese tolle Familie ausmacht: sie leben so gut wie ohne Plastik und ohne elektrischen Strom! Und wie geht das in der heutigen Welt?

Das ganze Haus und fast alles da drin besteht aus Holz, auch die Spielsachen. Und in der Küche haben sie einen Lehmofen selber eingebaut, wo sie selber Brot backen und dieses auch verkaufen. Gekocht wird wie zu Omas Zeiten auf dem Holzofen. Die einzigen elektrischen Geräte im Haus sind die Waschmaschine, der Kühlschrank und wenns schnell gehen muss ein elektrischer Herd. Und noch was: ein Handy hat Andreas, der Bauer auch, welches geladen werden muss.

Auch für die heutige Zeit faszinierend für uns hier in Deutschland ist, dass die Familie fast keine Lebensmittel im Supermarkt einkaufen muss. Sie pflanzen sich alles selber an. Sogar der Mohn für den Mohnkuchen! Und Milch bekommen sie von ihren zwei Ziegen, die sie täglich melken. Die Eier natürlich von den Hühnern. Sogar Käse und Halloumi stellen sie selber aus der Ziegenmilch her.

Nicht nur die Jungs waren hier begeistert und glücklich, auch ich habe hier sehr glückliche Tage erleben dürfen. Ach was würden wir dafür geben auch so zu leben mit einem Häuschen im Grünen und einen Garten, wo die Kinder einfach raus können. Doch Freiburg ist für uns dafür zu teuer.

Da kam uns tatsächlich die verrückte Idee, doch auch nach Uckermark zu ziehen, wenn man dort um einiges günstiger ein ganzes Häuschen mit Garten erwerben kann. Dafür bräuchten wir in Freiburg und Umgebung wahrscheinlich noch 3 Leben oder einen großen Lottogewinn.

Wir werden sehen, was sich aus unserem Hirngespinst tun wird, nun doch Freiburg zu verlassen um unseren Traum mit Garten näher zu kommen. Wo wird unser Leben noch hinführen? Eines ist sicher, ich möchte nicht unser drittes Kind, welches im Februar auf die Welt kommen soll, in der kleinen 60m2 Wohnung ohne Garten und ohne Spielplatz vorm Haus hier erziehen! Dazu habe ich keine Kraft mehr. Wenn ich sehe, wie einfach es ist wenn die Kinder einfach raus gehen können, ohne immer einen Ausflug planen zu müssen.

Nun ist unser Aufenthalt am Bauernhof leider zu Ende und schweren Herzens verabschieden wir uns. Früh morgens um 6 Uhr stehen wir schon pünktlich am Bahnsteig in Prenzlau, um unseren Zug nach Berlin und von dort weiter nach Pardubice (Tschechische Rep.) zu bekommen.

Dieser Zug fährt durch die Stadt Pardubice in der Tschechischen Republik, wo eine langjährige Freundin mit ihrer Familie wohnt. Ich möchte sie natürlich besuchen, da ich sie seit dem Auszug aus Österreich wieder in ihr Heimatland, seit 7 Jahren nicht mehr gesehen haben. Endlich soll unser Besuch bei ihr klappen.

Und gleich am nächsten Tag, das krasse Gegenteil zu unserem Aufenthalt am Bauernhof! Ein modernes Haus mit Swimmingpool! Die Jungs sind sofort begeistert und sind den ganzen Tag bzw. sogar den ganzen Aufenthalt nicht mehr aus diesem Pool wegzubringen!

Ständig kamen mir die Gedanken, wo wäre ich glücklicher? Wenn ich es mir aussuchen könnte ein Haus mit Garten zu haben? Da wo wir am Bauernhof ein einfaches Leben ohne die moderne Technik von heute gelebt haben, oder hier in dem modernen Haus, wie es heutezutage üblich ist?

Wir freuen uns mit der Freundin, dass wir uns endlich nach 7 Jahren wieder sehen können und  haben uns viel zu erzählen. Als vor über 20 Jahren unsere Freundschaft als Nachbarinen anfing, da war sie noch kinderlos und ich erst 14. Heute ist ihre älteste Tochter 20 und ich habe selber schon Kinder, die sie nun auch kennen lernen konnte.

Hier geht es auf unserer Reise wieder weiter. Wir fahren mit dem Regiojet aus der Tschechischen Rep. In die Slowakei zu meiner Ursprungsfamilie. Die Kinder genießen die Zugfahrt und spielen mit ihren kleinen Autos, die sie immer in ihren Rucksäcken dabei haben.

Mit nur 1x umsteigen sind wir bereits am Nachmittag schon in Presov, in der Ostslowakei, wo meine Großeltern wohnen. Es ist hier deutlich wärmer als in Mecklenburg und ich bin fast atemlos, als wir vom Zug aussteigen, als würden wir in einem tropischen Land den Boden betreten. Dabei war es gar nicht so ein großer geographischer Unterschied!

Presov ist die Heimatstadt meiner Mutter! Hier erfrischen sich die Kinder am Neptunbrunnen auf dem Hauptplatz in der Innenstadt.

Wir quartieren uns bei einem jungen Mann ein, der über Airbnb ein Zimmer nahe vom Zentrum vermietet. Er holt uns sogar mit dem Auto vom Bahnhof ab. Was für ein Service. Gleich am Anfang finden wir heraus, dass seine Eltern der gleiche Jahrgang wie meine Mutter sind und sogar in das gleiche Gymnasium gegangen sind. Und der Zufall hat noch kein Ende. Sein Großvater war über 25 Jahre Mitarbeiter von meinem Opa! Und die Wohnung, wo wir nun die nächsten 3 Nächte übernachten werden, ist exakt das gleiche Haus, wo die Schwester von meinem Opa gewohnt hat, also meine Mama ihre Cousine immer besucht hat. Und das bei einer ca. 100.000 großen Einwohnerzahl!

Am nächsten Tag besuchen wir mein 90 jährigen Großeltern in ihrer Wohnung zu Hause, wo sie schon seit über 50 Jahren wohnen und immer noch für sich selber sorgen können. Ihre 2 Kinder, wohnen über 500km weit weg in Baden bei Wien.

Das sind also die Urgroßeltern von Gabriel und Gregor.

Beim Verabschieden auf der Straße, vorm Haus meiner Großeltern. Ach wie gut kenne ich diese Gegend, wo ich meine ganze Kindheit jede Ferien verbracht habe. Wie oft werde ich wohl noch hier her kommen und sie besuchen können?

Am Heimweg zu unserem gemütlichen Zimmer bei Airbnb in Presov. Wie gut, dass ich immer noch den Kinderwagen mitschleppe. Einmal dient er als Gepäcktransporter, hier können beide Kinder drauf sitzen, wenn sie schon zu  müde sind zum Laufen.

Meine Mama, die auch gerade zufällig ihre Eltern in Presov besucht, begleitet uns zum Bahnhof, wo unsere Reise wieder weiter geht.

Hier in Kysak, der typische Umsteigebahnhof um von und nach Presov zu gelangen, zeigt noch, wie man es heute kaum noch in Europa sieht, dass man über die Gleise geht. Es gibt hier keine Unterführungen. Gabriel hatte richtig Angst über die Gleise zu gehen, da er es ja gar nicht gewohnt ist. Erst als ich ihn überzeugt hatte, dass auch alle anderen Leute über die Gleise laufen, hat er sich drauf eingelassen.

Ein weiterer Umsteigebahnhof: Kosice. Hier gibt es zwar schon Unterführungen, da es auch eine sehr große Stadt ist, aber keinen Lift. Ich habe eine Stunde Zeit bis zum nächsten Anschluss und dachte ich werde die Zeit in der Halle verbringen, und frage einen Bahnhofsmitarbeiter, wie ich denn alleine mit dem Kinderwagen dahin komme, ohne die Treppe nutzen zu müssen, ob ich hier auch die Gleise überschreiten darf. Bei dem Gespräch kommen wir drauf, dass der Anschlusszug vom gleichen Bahnsteig abfährt und sogar schon da steht, auch wenn es noch dauern wird. So sind bin ich sehr glücklich, wie ich der Treppe ausweichen kann und wir machen unsere Mittagspause einfach auf dem Bahnsteig und warten, dass der Zug zum Einsteigen bereit gemacht wird. Der Bahnhofsmitarbeiter war so lieb und hat all unsere Sachen noch mit seinem motorisierten Gepäckwagen von einem Ende des Bahnsteigs zum anderen gefahren – was war ich froh!

Ein wunderschönes altes Haus auf dem Weg zu unserer nächsten Station bei meiner Tante und Taufpatin in einem kleinen Dorf Rochovce in der Südslowakei.

Gregor mit seinem Einkaufskörbchen auf Wanderschaft.

Hier Slavosovce ein typisches Dorf in der Slowakei. Die meisten Leute arbeiten in der Papierfabrik in dem Dorf. Die Schreibwarenarktikel, Servietten, Papiertaschen uvm. werden von hier in die ganze Welt exportiert.

Die Kinder haben hier ein Paradies gefunden. Meine Tante mit ihrem Mann haben bereits 7 Enkelkinder. Das älteste ist nur eine Woche jünger als Gabriel und das jüngste 6 Wochen alt.

Hier fragte mich Gabriel am ersten Tag gleich, müssen wir heute noch weiter fahren? Ich sagte nein. Dann fragte er mich, ob wir morgen weiter müssen und als ich auch das verneinte, fragte er voller Begeisterung: „Können wir für immer hier bleiben?“

Und auch hier gibt es einen kleinen Swimmingpool, wo Gabriel mit einem kleinen Schlauchboot glücklich herumplantschen kann.

Während die Kinder sich hier austoben konnten, genoß ich die Ruhe und die schöne Sommerzeit beim Lesen eines Romanes, der sich sogar hier in der Gegend abgespielt hat.

Doch ich kann nicht lange nichts tun…..so habe ich mich auf eine kleine Wanderung auf den Weg gemacht…ohne Kinder und die Umgebung von Rochovce erkundet. Diese Gegend der Slowakei heißt Gemer.

Ich pflücke Brennesseln aus dem Garten für den Tee während die Jungs auf mich warten…

Auch mit den Kindern verlassen wir mal die Tore des großen Gartens und gehen eine Runde im Dorf Rochovce spazieren. Leider müssen wir uns an diesem Tag auch mit dem Sommer für dieses Jahr verabschieden. Der Herbst hat Einzug genommen.

Auch unser Aufenthalt im Paradies für Kinder geht zu Ende…..hier auf dieser Haltestelle warten wir auf den Bus, der uns über die Berge weiter bringt.

Unser Abenteuer geht weiter. Ich konnte es kaum glauben, aber der Bus war soooo voll, dass die Leute standen und nur noch vorne beim Fahrer war überhaupt noch Platz für uns drei zum Stehen! Ich weiß gar nicht wie der Mann meiner Tante es schaffte den Kinderwagen mit meinem großen Rucksack in diesen vollgstopften Bus zu quetschen.

Aber Gott sei Dank, leerte sich der Bus ziemlich schnell und wir fanden doch noch Sitzplätze, denn die Fahrt ging über mehrere Berge und Serpentinen. Das Stehen hätte ich wohl nicht überlebt, denn ich hatte mit der Übelkeit in den Kurven zu kämpfen.

Aber Gregor war es ziemlich egal, die Kurven interessierten ihn nicht. Er kann überall seinen Mittagsschlaf halten!

Der Bus macht auf der Hälfte der Fahrt oben auf dem Berg eine 5minütige Pause, die wir nutzen um frische Luft zu tanken.

Hier am Rande der Hauptstraße lässt uns der Busfahrer mit Kind und Kegel aussteigen. Später erfahren wir, dass er gar nicht auf den großen Parklplatz, der richtigen Haltestelle reingefahren ist, sondern aus Bequemlichkeit neben der Straße stehen blieb. So ticken die Uhren manchmal noch in der Mittelslowakei.

Die Kinder fasziniert dieser Bach mittem am Hauptplatz von Liptovsky Hradok, unserer nächsten Station direkt unterhalb der Hohen Tatra.

Hier ein Blick auf die Anfänge der Hohen Tatra (dem niedrigsten Hochgebirge der Welt) im Hintergrund. Mit der Burg von Liptovsky Hradok.

Das Doppelkreuz ist das typische Wahrzeichen der Slowakei.

Hier haben wir die Familie des Cousins meines Vaters besucht. Seit genau 30 Jahren komme ich fast jedes Jahr hier her. Als Kind habe ich hier mit den Cousins 2. Grades meine Ferien verbracht.

Am 3. Tag geht unsere Tour wieder weiter. Und wir warten am Bahnhof von Liptovsky Mikulas auf unseren IC nach Bratislava.

Es finden sich immer und überall nette Leute, die mir beim Tragen vom Kinderwagen helfen, sodass ich gar nicht mit anheben muss (wofür ich sehr dankbar bin, da ich ja schon im 5. Monat schwanger bin) und so beide Hände frei habe um jeweils jeden der Jungs an der Hand zu nehmen um gemeinsam einzusteigen.

Egal wo, die Kinder fühlen sich überall wohl….

Wir spielen „Mensch ärgere dich nicht“ im Zug und bekommen vom Schaffner die Figuren dazu. Das Brett ist der Tisch im Abteil. So vergeht die 4 stündige Fahrt im Nu und ehe wir uns versehen, sind wir schon in Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei, wo wir diesmal nur umsteigen.

Gabriel liebt es im Zug zu malen. Er findet sich überall eine Nische und Tisch dafür. Hier helfen mir zwei Indische Männer mit dem Kinderwagen beim Einsteigen. Sie machen Europaurlaub mit ihren Frauen und sind gerade auf der Rückreise aus Bratislava. Beim Gespräch kommen wir drauf, dass ich Homöopathin bin. Dabei erfahre ich, dass sie sich auch alle mit Homöopathie in Indien behandeln lassen. Und dass es da eine bekannte homöopathische Klinik gibt, wo homöopathisch behandelt wird! Da bin ich erstmal erstaunt, dass dort sogar eine ganze Klinik homöopathisch arbeitet. Die haben uns wohl einiges Voraus!

Im letzten Zug dieses Tages von Wien nach Baden zu meiner Mama, ist nur noch auf der Treppe Platz für uns. Wir haben gerade die Stoßzeit erwischt und sind überrascht, wie voll die Züge hier sind!

Hier in Baden besuchen wir nicht nur meine Mama und meinen Bruder, sondern auch sämtliche Spielplätze.

Ein schönes dreier Bild: ich mit meinen zwei Jungs Gabriel und Gregor.

Mit meiner Schwester Miriam im gleichen Outfit!

Auch dieser Besuch endet mal und wieder führt uns die Reise mit dem Zug nach Osttirol, wo sich gerade beruflich mein Papa aufhält.

Der moderne österreichische Railjet hat sogar eine eigene Kinderecke mit Kinderkino. Auf langen Strecken oft ein Segen für die Eltern. Da sind alle Kinder erstmal ganz in den Bann gezogen. Besonders meine, die zu Hause keinen Fernseher haben.

Die erste Begrüßung am Zielbahnhof Lienz mit meinem Papa nach 6 stündiger Fahrt durch Österreich

Ein Begrüßungsfoto am Bahnhof mit den schönen Lienzer Dolomiten im Hintergrund

Beim Rundgang durch die Innenstadt haben die Jungs gleich etwas für sich entdeckt: einen Helikopter!

Wir wohnen in einer Privatzimmer Unterkunft bei 90jährigen Vermietern! Hut ab! Dass sie noch in diesem Alter Zimmer mit Frühstück anbieten! Der Herr des Hauses hat erzählt wie er im 2. Weltkrieg in der Normandie gekämpft hat!

Die Puppen in der Küche haben die Jungs gleich in den Bann gezogen. Nicht nur Traktoren und Bagger können sie begeistern! Ich freue mich.

Wir fahren für einen Tagesausflug mit der Gondel (Zettersfeld Bahn in Lienz) hoch auf über 2000 m. Die Jungs sind davon total begeistert.

Und hier geht die Fahrt mit einem Sessellift auf 2.200m weiter! Wir haben alles an, was wir im Rucksack an Sommerklamotten fanden. Es hat nämlich da oben nur noch 6° Celsius. Und wir sind ja im  August mittem im Sommer losgefahren. Gabriel hat z.B. 7 T-shirts an.

Das Bild spricht für sich….

Die Jungs wandern selber von 2.200m zu unserem Ziel, den Neualplseen, auf 2.400m. Die großen Steine und Schafe rundherum faszinieren sie.

Unterwegs begegnen wir Wanderern aus Canada und der Tschechischen Republik, die unseren Jungs Riegel zu Stärkung anbieten.

Endlich am Ziel bei den Neualplseen auf über 2.400m. Bestimmt ist es hier noch kälter als 6°! Die Kinder bekommen Socken als Handschuhe, da es ihnen auf die Hände zu kalt ist. Wir müssen uns helfen mit dem was wir haben.

Die Jungs sind die ganzen 4 Stunden selber alleine gewandert. Gregor musste kurz mal von meinem Papa getragen werden, aber es waren vielleicht nur ein paar Minuten. Also ein Klaks zur gesamten Strecke. Und das obwohl seine Mittagsschlafzeit war. Ich glaube, spätestens bei dieser Tour in den Bergen hat man gemerkt, dass die Kinder laufen in der Natur gewöhnt sind! Denn sie gehen in Freiburg beide in einen Waldkindergarten und sind jeden Tag bergauflaufen gewöhnt und auch bei jedem Wetter draußen zu sein! Da gibt es kein Meckern. Die nehmen das Wetter so wie es ist.

Hier sitzen wir schon in der Gondel Richtung Tal nach Lienz. Die Sonne scheint auf die Sonnenstadt Lienz, doch auch wir oben am Berg hatten ab und zu mal das Glück ein paar Sonnenstrahlen abzubekommen. Und wir hatten noch mehr Glück, denn es kam den ganzen Tag kein Regentropfen, obwohl es fast danach aussah und auch der Wetterbericht Regen ansagte!

Aber wir haben es eben trotz schlechtem Wetterbericht riskiert! Und es hat sich ausgezahlt. Im Notfall wären wir bei etwas Regen gewandert und dann wieder runter. Aber die Jungs wollten unbedingt wieder nach langer Zeit mal mit der Gondel fahren!

Als wir schon wieder daheim in Freiburg waren, habe ich von meinem Vater erfahren, dass es am nächsten Tag da oben schon geschneit hat! Der erste Schnee dieser Herbst/Wintersaison ist gefallen. Wir hatten also 5 vor 12 diese Bergwanderung gemacht! Wieder eine Bestätigung meiner Intuition, da hoch zu gehen und des spontanen Besuches bei meinem Papa in Lienz.

Hier haben wir uns ein gutes Abendessen verdient!

Und auch hier sind wir am 3. Tag abgereist mit diesem Südtiroler Zug. Es war nur noch Regen angesagt und unsere Ferien gehen auch langsam dem Ende zu.

Eine schöne Beschäftigung: das Ausmalen im Zug und guter Ausgleich zum vielen Wandern von gestern.

In Innsbruck vertreiben wir uns 1,5 Stunden Wartezeit mit Rolltreppen fahren….für die Jungs ist das alles ein tolles Abenteuer! Immer wieder gibt es neue Sachen zum Erleben! Da wird die lange Fahrt von Lienz nach Freiburg gar nicht langweilig. Und sie kommen auch zu Ihrer Bewegung wie z.B. durch die lange Bahnhofshalle zu laufen.

Gregor und Gabriel haben auch keine Angst Mama mal zu verlassen und rennen beide weg. Gregor ohne dass er was sagte bis ihn die Sicherheitsbeamten zu mir brachten. Er war einfach allein zur Rolltreppe gelaufen, während wir noch im Wartezimmer mit Gabriel unsere Reiseproviant aßen. Meiner Meinung nach so werden die Kinder selbständig. Ich bin es leid ihnen wie ein Helikopter hinter her zu fliegen….. das ist meine Meinung und bis jetzt klappt es sehr gut.

Zum ersten Mal stehen wir alle drei am Züricher Bahnhof! Es ist unser 3. und vorletzter Umstieg auf der Fahrt. Aber das lockert die Ganztagesreise nach Freiburg von 12 Stunden zumindest etwas auf!

Was für ein toller Touristenservice, auf jeden Bahnsteig befinden sich mehrere Trinkwasserbrunnen!

Hier haben wir den ganzen Fahrradabteilwaggon für uns! Und hier muss nochmal der Bewegungsdrang raus!

Auch Gregor möchte mitturnen. Er ahmt natürlich alles seinen größeren Bruder nach.

Endlich Papa: nach 3 Wochen die große Wiedersehensfreude am Freiburger Bahnhof!

Hier wieder die ganze Familie vereint! Gesund und munter nach 3 Wochen wieder zusammen! Es ist niemanden etwas passiert und dank der Homöopathischen Taschenapotheke konnten wir auch immer wieder falls was vorkam, schnell in den Griff bekommen und sogar anderen auf der Reise helfen, denen wir begegnet sind.

Und ich war erstaunt, mit wie wenig Anziehsachen ich und die Jungs ausgekommen sind – (das ist Euch bestimmt auf den Fotos aufgefallen, dass wir immer das gleiche anhaben).

Ich glaube, diesmal hatten wir so wenig mit wie nie zuvor und doch hat es mit gelegentlichem Waschen gut geklappt.

Mein Fazit von dieser Reise allein mit den Kindern:

Es war einfacher und viel interessanter als der Alltag daheim mit den gleichen Abläufen jeden Tag. Ich glaube ich bin nicht für den nüchternen Alltag geschaffen. Die Kinder waren viel einfacher zu Handhaben als daheim. Vor allem gab es immer tolle neue interessante Sachen für sie zu erleben und zu entdecken. Wir haben aber auch viele Leute getroffen, neue Lebensweisen gesehen und reingeschnuppert und von allem etwas auch für unser Leben mitgenommen. Neue Ansätze, neue Impulse und bewährte Sachen erlebt bei anderen Familien, die uns weiterhelfen können, wo wir unsere Blockaden haben oder uns fragen, wie lösen das andere Familien.

Und man muss keine Angst haben, wie man was schafft, egal wie schwer es einem vorkommt. Denn in jeder Situation kommt Hilfe, wenn man sie braucht, und so meistert man das Leben ohne sich groß Sorgen zu machen. Ein kleines Beispiel, auch wenn ich niemanden im Voraus gebeten habe mir mit dem Kinderwagen beim Ein- oder Ausstieg zu helfen, so haben sich immer Leute von alleine gefunden, die angepackt haben, als sie mich allein mit zwei kleinen Kindern gesehen haben. Ich war jedes Mal von Neuem erstaunt! Wie mich oft Fahrgäste schon im Voraus angesprochen haben mir bei der nächsten Station zu helfen und Schaffner, damit ich für beide Kinder da sein konnte.

Ich bin auf jeden Fall voller Energie, Motivation und aufgefüllten Akkus wieder aus den Ferien nach Hause gekommen.

6 Kommentare
  1. Maria says:

    Hallo Franka, Miri hat mir heute den Link zu deiner Seite geschickt und ich muss gestehen, ich kann gar nicht mehr aufhören zu lesen 🙂 tolle Berichte von tollen Abenteuern! Liebe Grüße aus Graz

    • Franka says:

      Liebe Maria, das ist ja eine tolle Überraschung ein Kommentar von dir zu bekommen! Vielen lieben Dank! Mensch ich freue mich riesig, dass dir meine Reiseberichte gefallen und du gar nicht mehr aufhören kannst zu lesen! Dann kann ich ja beruhigt weiter schreiben, wenn es so tollen Anklang findet:) lieben Gruß aus Freiburg

  2. Birgit riedel says:

    Liebe Franka!
    Ich bin beeindruckt was du alles schaffst.
    Für mich wäre das nix , aber es liest sich toll und ist spannend. Mach weiter so und lass uns , die sowas nie machen würden, an euren Abenteuern teilnehmen.
    Liebe Grüße aus Berlin

  3. Katharina says:

    Hallo liebe Franka, ich kann nicht anderst, als mich den anderen anzuschliessen!
    Sehr Bildhaft und voller Energie ist dir die Beschreibung von eurem Abenteuer gelungen!
    Da verspürt man lust alles loszulassen und auf Reisen zu gehen!!!
    Danke dir dafür

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